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Anise Postel-Vinay

Anise Postel-Vinay im Film-Interview mit Helmuth Bauer, Kamera Lars Barthel, Ravensbrück 1999.

Eindrücke und Kommentare von Germaine Tillion und Anise Postel-Vinay, die die Ethnologin und die Historikerin beim gemeinsamen Betrachten der Bilder des „Album Déportation“ mit Ágnes Bartha am 25. März 1995 in Germaine Tillions Haus in Paris, Saint-Mandé spontan eingeworfen haben. --> Wir waren einander eine Stütze, seelisch


Paris, 12. September 2011

Lieber Helmuth,

ich wollte die Lektüre Deines schönen Buches erst beenden, ehe ich mich für dieses unschätzbare Geschenk bedanke. In diesem Buch stehen Kunst und Leidenschaft über der Geschichte. Es ist sogar eher die Geschichte einer Liebe, als eine Untersuchung dieser verfluchten Zeiten, einer Liebe von Helmuth zu Edit. Die ersten 150 Seiten, ja sogar ein ganzes Drittel der Seiten im Buch, stürzen einen unmittelbar in extremes persönliches Leiden, und die letzten Seiten, mit der rekonstruierten Liste tausendfachen Leids, vermitteln eine Vorstellung vom gewaltigen Ausmaß der Naziverbrechen. Man kann die lange und mühsame Arbeit ermessen, die Du hinter Dich bringen musstest, um die Aufgabe zu meistern, die Du Dir gestellt hast, und ich danke Dir aus der Tiefe meines Herzens, ganz getragen von einer grenzenlosen Bewunderung. Deine große Sensibilität muss gleichermaßen eine Befähigung zu tiefgehender Darstellung gewesen sein wie auch eine beständige Erschwernis bei deren praktischen Umsetzung. Die sehr große Anzahl von Fotos mit ihren aufschlussreichen Erläuterungen, die Güte des Papiers, alles ist dazu angetan, Deinem Lebenswerk den lebendigen Glanz zu verleihen, den es verdient. Bravo, Helmuth, Bravo. Wann immer ein Student oder eine Studentin mich besuchen wird um mich um Hilfe beim Schreiben ihrer Dissertation über die Lager zu bitten, werde ich ihnen Dein Buch zeigen. Mon Dieu! Welche Arbeit darin steckt!

Ich denke, Du darfst in Deinem Inneren sehr glücklich darüber sein, wie es Dir gelungen ist, uns im verfluchten Andenken an diese schändliche Epoche versammelt zu haben. Die Toten, wie die noch Lebenden, wir Alle danken es Dir.

Chaleureusement Anise

Rohübersetzung H. Bauer

Anise war zusammen mit der Ethnologin Germaine Tillion von September 1943 bis zur Evakuierung der französischen Häftlinge nach Schweden im April 1945 im KZ-Ravensbrück. Die Historikerin Anise Postel-Vinay hat jahrzehntelang zu Ravensbrück geforscht und mit Germaine Tillion mehrere Bücher über das Frauenkonzentrationslager herausgegeben. Die beiden Grandes Dames de la Résistance et de la Déportation Francaises haben mich viele Jahre bei der Arbeit mit den Frauen aus Genshagen emotional orientiert und beim Versuch, diese in Ausstellungen, Filmen und schließlich im Buch in allen Facetten vorzustellen, mit großer Kenntnis und Ermutigung begleitet. Trotz ihrer 100 Jahre hat Germaine die Fertigstellung des Buches nicht mehr erlebt.